Die Apostelgeschichte endet mit einer bemerkenswerten Aussage über Apostel Paulus in Rom: „Paulus aber blieb volle zwei Jahre in seiner Wohnung und nahm alle auf, die zu ihm kamen, predigte das Reich Gottes und lehrte von dem Herrn Jesus Christus mit allem Freimut ungehindert.“ (Apostelgeschichte 28, 30.31) In letzter Zeit hören wir ab und zu, dass wir mit Freimut unseren Glauben und unsere Glaubenserfahrungen bekennen dürfen und auch an anderen Stellen in der Bibel ist von Freimut die Rede. Was aber ist Freimut? Steht das alte deutsche Wort für dasselbe, was das moderne Wort Zivilcourage meint?
„Freimut“ hört man im modernen Sprachgebrauch fast nicht mehr. In Bibelübersetzungen ist es – oft als Adjektiv „freimütig“ – noch zu finden und bedeutet, dass jemand offen und ehrlich redet. Meyers Konversationslexikon von 1895 beschreibt das so: „Freimut ist der Mut, seine Meinung zu bekennen, auch wenn dies Bekenntnis mit Gefahr für den Bekennenden verbunden ist. Dadurch dass er dieses nicht ohne direkte oder indirekte Aufforderung tut, ist der Freimut von Dreistigkeit unterschieden. Dadurch, dass er es tut, ungeachtet dass für seine Person Gefahr damit verknüpft ist, ist es von der im Verborgenen tapferen „Faust im Sack“ unterschieden.“
Das deutsche Wort Freimut hat einen Vorläufer in der griechischen Antike: Das griechische Wort Parrhesia wird im Deutschen mit Freimut übersetzt. Parrhesia, das war das Recht und die Pflicht des griechischen Bürgers in der Stadtversammlung offen die Wahrheit zu sagen. Damit die richtigen Gesetze erlassen werden, brauche es den Freimütigen – eine seltene Sorte Mensch, die von Platon verzweifelt gesucht wurden. Dies mag als wissenschaftliche Aussage genügen. Die Geschichte lehrt uns, dass viele Frauen und Männer ihr Leben riskierten, um freimütig zu bekennen, was sie für die Wahrheit hielten. Diesen (Frei-)Mut mussten sie oft mit dem Leben bezahlen.
Heute ist – zumindest in unserem Land – die Freiheit der Meinung grundgesetzlich geschützt. Aber es gibt viele Hinderungsgründe, dass wir doch nicht so freimütig sagen, was wir glauben, denken und empfinden. Da will man vielleicht nicht als altmodisch angesehen und belächelt werden, oder es passt nicht in die Situation einer gegenläufigen Aussage zu widersprechen. Stammapostel Fehr hat uns oft in die Seele gelegt: „Dämpfet den Geist nicht!“ Apostel Paulus wird oft als Eiferer für den Herrn bezeichnet. Eifern wir ihm nach und bekennen mit Freimut unseren Glauben und unsere Zukunft.
14. Februar 2009
Text:
Norbert Burkardt
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