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Die Karwoche – ein Tagebuch der besonderen Art

 

Die Ereignisse zwischen Palmsonntag und Ostern lesen sich wie eine Kriminalgeschichte. Ein Mann wird verraten, verhöhnt, verklagt, verhaftet, getötet. Jesus geht durch die Hölle und erreicht so den Himmel. Eine Zeitleiste aus dem Markusevangelium.

Palmsonntag

Alles beginnt am Palmsonntag, dem Sonntag vor Ostern. Menschen stehen am Straßenrand und jubeln Jesus Christus zu. Der reitet gerade auf einem Esel sitzend in Jerusalem ein. Ein bewegender Anblick. Feierlich. Festlich. Laut. Das sehen die Menschen nicht jeden Tag. Sie lassen ihren König hochleben. Werfen ihm Handküsse entgegen, strecken beide Arme nach ihm aus und sind voll guter Gedanken für ihn. Ein Wundermann soll er sein. Ein guter Prediger. Einer aus ihrem Volk, jemand mit Autorität. Jesus lässt sie gewähren, er weiß, was seine Stunde geschlagen hat. Er übernachtet an diesem Abend mit seinen Freunden in Betanien. Er will sich ausruhen. Betanien, der Ruheort. Ruhe vor dem Sturm.

Montag

Am Montag geht Jesus in den Tempel. Er sieht das Treiben, das Handeln, das Feilschen, das profan gewordene Heiligtum. Welch ein Kontrast! „Und Jesus ging in den Tempel und fing an auszutreiben die Verkäufer und Käufer im Tempel; und die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler stieß er um und ließ nicht zu, dass jemand etwas durch den Tempel trage. Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben (Jesaja 56,7): »Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker«? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht.“

Dienstag

Der Tag der Abrechnung. Gelehrte und die Ältesten des Tempels stellen ihn zur Rede. „Aus welcher Vollmacht tust du das?“ Das ist durchaus eine zulässige Frage, allzu menschlich zwar, aber auch verständlich. Dahinter steht die Autoritätsfrage. Für Menschen, die in Strukturen leben, ist die Antwort darauf wichtig. Ein öffentliches Hin und Her entsteht – die ganze menschliche Unsicherheit kommt zum Vorschein. Das, was zuvor noch eindeutig und klar gewesen ist, schwankt plötzlich. Ungewissheit, Nachdenken setzt ein. Irgendwie ist nichts mehr wie vorher.

Mittwoch

An diesem Tag fällt der Tötungsauftrag: „Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List ergreifen und töten könnten. Denn sie sprachen: Ja nicht bei dem Fest, damit es nicht einen Aufruhr im Volk gebe.“ Und wie zur letzten Ölung kommt die Frau und salbt Jesus mit Nardenöl. Vergeudung, Verschwendung? Nein: „Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt für mein Begräbnis.“

Donnerstag

Die Passafeier muss vorbereitet werden, ein letztes Abendmahl mit dem Herrn. Dann folgen Verrat und Verhaftung. Gethsemane, der Garten am Fuß des Ölbergs – hier verbringt Jesus seine letzte Nacht. Allein. Verlassen. Wenn je Einsamkeit wehtut, dann jetzt. Die „Ölpresse“ ist Schauplatz einer schaurigen Todesnacht.

Karfreitag

Früh am Morgen liefern die Soldaten den gefangenen Jesus an Pilatus aus. „Bist du der König der Juden?“ Er antwortet ihm: „Du sagst es.“ Danach ist er still, lässt sie lügen und schimpfen und drohen. Nur Stunden später hängt er am Kreuz: „Und es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.“ Lästereien, Hohn, Spott – das ganze Programm nimmt seinen Lauf. Wer erst einmal am Kreuz hängt, ist verloren. Am Nachmittag schreit Jesus laut auf und stirbt. Es ist dunkel geworden, die Sonne hat ihr Licht hüllt. Zugleich zerreißt der Tempelvorhang in zwei Teile, öffnet sich der Blick in das Allerheiligste. „Und als es schon Abend wurde …“, legten sie ihn zu Grabe.

Samstag

Sabbat. Totenstille. Grabesruh.

Ostersonntag

Das Grab ist leer, Jesus ist auferstanden. Die wohl wichtigste Botschaft für die Christenheit. Davon müssen sie einfach reden, auch heute noch!

14. April 2019
Text: P. Johanning
Fotos: www.nac-today.de

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